So geht Payroll
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Klartext aus Berlin mit Henri Schmidt (CDU) MdB

Klartext aus Berlin mit Henri Schmidt (CDU) MdB

 

Henri Schmidt ist CDU-Bundestagsabgeordneter. In seinem ersten Berufsleben hat er viele Payroll-Projekte geleitet, seine Diplomarbeit hat er über das Thema „BPO in der Entgeltabrechnung“ geschrieben. Er war über Jahre hinweg tief in unserer Szene verwurzelt.

Jetzt sitzt Henri Schmidt im „Hohen Haus“. Er ist mittendrin und erlebt, wie die Gesetze entstehen, die wir später an der Basis umsetzen müssen. Wir haben mit ihm darüber gesprochen – und über die Payroll insgesamt. Was er berichtet, ist wichtig und zugleich ernüchternd. Es gibt einen Einblick in die Möglichkeiten und Grenzen der Politik. Selten wurden die Dinge so offen ausgesprochen.


Warum dieses Gespräch wichtig ist

Henri Schmidt ist kein Lobbyist unserer Branche. Er ist ein Abgeordneter, der zufällig aus ihr kommt. Genau deshalb ist er in einer einzigartigen Position, Brücken zu bauen. Brücken zwischen den Entscheidungen in Berlin und dem, was in der Payroll-Praxis ankommt.

Die Komplexität der Payroll ist im Parlament weitgehend unsichtbar. Es liegt an uns allen, das zu ändern. Die Instrumente sind da: Verbandsbeteiligungen, Anhörungen, informelle Gespräche. Wir müssen diese nutzen - früher, gezielter und lauter.

Die demografische Entwicklung zwingt zur Vereinfachung, schneller als jeder politische Wille. Und KI wird nicht unsere Jobs übernehmen, sondern unsere Arbeit verändern. Wer das heute versteht, ist morgen vorne dabei.

 Versteht Berlin die Payroll?

Wir fragen direkt, Henri Schmidt antwortet ohne Zögern.

Er spricht über das Tariftreuegesetz. Ein Arbeitnehmer, der für einen öffentlichen Auftraggeber arbeitet, soll Montagvormittag unter den IG-Metall-Tarif fallen, am Nachmittag dann unter den Chemietarif. Und Mittwoch wieder woanders. Drei Tarifwerke. Eine Woche. Eine Abrechnung.

„Wie soll das in der Entgeltabrechnung eigentlich funktionieren? Das ist ja völliger Wahnsinn."

Und dann der Satz, der hängen bleibt: „Das Wissen darüber hat hier niemand."

Das ist keine besonders gute Diagnose.

Wie entstehen Gesetze?

Die meisten Gesetze werden nicht im Parlament geschrieben, sondern in den Ministerien. Der Bundestag berät, ergänzt und stimmt ab. Das Grundgerüst kommt aus dem Apparat. Aus Referaten, aus Staatssekretariaten, aus Abteilungen, die kaum öffentlich in Erscheinung treten. Henri Schmidt nennt das beim Namen: Die Wirkmächtigkeit der Ministerialbürokratie ist enorm. Die neue Staatsmodernisierungsagenda sieht zwei Prozent Stellenabbau pro Jahr in der Bundesverwaltung vor. „Ein hohes Ziel. Ich bin gespannt, ob wir es schaffen."

Und dann die zweite Wahrheit, die selten so offen gesagt wird: Gesetze werden gerne politisch verknüpft, auch wenn sie inhaltlich nichts miteinander zu tun haben. Das Tariftreuegesetz gegen ein europäisches Migrationsgesetz. Die CDU/CSU gibt nach, die SPD gibt nach. Beide bekommen etwas, niemand ist glücklich.

Die Anhörungen

Im Gesetzgebungsverfahren gibt es öffentliche Anhörungen, Expertinnen und Experten kommen zu Wort. Henri Schmidt ist ehrlich darüber, was das in der Praxis bedeutet:

„Natürlich laden die Fraktionen hier Menschen ein, die ihre vorher gebildete Meinung tendenziell bestätigen."

Die informelle Phase davor ist dennoch real. Gespräche mit Verbänden, mit Unternehmen, mit Berichterstattern, so geht Einfluss! Es werden Positionen geformt, bevor das erste Mikrofon läuft. Wer hier nicht mit am Tisch sitzt, verliert.

Für unsere Branche bedeutet das konkret: Wir müssen früher, gezielter und mit klareren Botschaften an dieser Phase teilhaben.

Demografie – das lautlose Erdbeben

2027 wird das Arbeitskräftedefizit laut Schmidt auf 200.000 fehlende Personen anwachsen, weil mehr Menschen in Rente gehen als nachrücken. Erstmals wird die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nicht steigen, sondern sinken. Die Verwaltung trifft das besonders hart.

„Wenn wir die Menschen, die wir verlieren, nicht ersetzen können, müssen wir entbürokratisieren und digitalisieren. Das ist der einzige Weg."

Kein ideologischer Ansatz und keine politische Vision, sondern eine schlichte Notwendigkeit. Wenn wir das für unseren Bereich der Entgeltabrechnung übersetzen, werden heute noch manuell abgewickelte Prozesse in wenigen Jahren automatisiert sein müssen – weil wir schlicht und ergreifend nicht mehr genug Personal haben werden.

25 Prozent Bürokratieabbau?

25 Prozent weniger Bürokratieaufwand für Unternehmen bis zum Ende der Legislatur, so ist es in der Berliner Koalition vereinbart. Das ist kein kleines Versprechen, jedes Ministerium muss seinen Beitrag bringen.

Henri Schmidt spricht offen:

„Ehrlich gesagt liegt heute noch viel zu wenig auf dem Tisch, um dieses Ziel zu erreichen."

Ein positives Signal ist der „Bau-Turbo“. Diese Regelung erlaubt den Kommunen, bestimmte Genehmigungen außerhalb des regulären Baurechts zu erteilen. Das soll Vertrauen schaffen und letztlich skalieren. Der Wille ist da, das ist ein Anfang.

KI - Schutz durch Komplexität

Wird die Künstliche Intelligenz die Lohnexpertinnen und Lohnexperten ersetzen?

Schmidt denkt laut: „Ich denke, wir werden sehr, sehr nahe daran kommen."

Im Bund arbeitet man bereits an KI-gestützten Genehmigungsverfahren, an Vollständigkeitsprüfungen und automatisierten Bescheiden. Das funktioniert, doch immer wieder stößt die KI auf sich widersprechende gesetzliche Regelungen – und braucht dann den menschlichen Sachverstand. Das stärkt die Fachleute aus Fleisch und Blut.

In der Payroll ist das Ganze strukturell identisch, die Komplexität des Systems ist gleichzeitig Schutz und Last. Die Beratungskompetenz wächst, Komplexes muss den Beschäftigten verstärkt in einfachen Worten erklärt werden: Warum sieht deine Abrechnung so aus? Was steckt dahinter? Das kann vorläufig keine KI übernehmen.


Podcast-Tipp: KI im Personalwesen: Das neue EU-Recht! 


EU-Recht: Deutschland schaut zu

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie muss bis Juni 2026 umgesetzt sein. Das EuGH-Stechuhrurteil stammt aus 2019 und wartet noch auf die nationale Umsetzung.

Schmidt erklärt, dass Deutschland EU-Recht oftmals spät umsetzt, manchmal bis in Vertragsverletzungsverfahren. Zudem setzen rund 80 % der Gesetze im Bundestag EU-Recht um. Das erklärt einiges bei den Kapazitäten.

Henri Schmidt spricht aus, was vermutlich viele denken:

„Deutschland ist das wichtigste Land der EU, hat allerdings die EU-Gesetzgebung in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig zu seinen Gunsten beeinflusst."

Und dann geht es um das sogenannte „German Vote“, also die Enthaltung Deutschlands bei EU-Abstimmungen. Sie steht sinnbildlich für eine über Jahre praktizierte politische Passivität. Schmidt fordert deshalb ein Gesetzgebungsmoratorium auf EU-Ebene: zwei Jahre lang keine neuen Regeln, sondern erst einmal abarbeiten, was bereits beschlossen wurde.


Podcast-Tipp:
Von der Lohntüte zur Payroll-KI


Der König von Deutschland

Zum Abschluss unseres Gespräches wird es noch einmal ganz praktisch und fast schon revolutionär einfach. Wir fragen Henri Schmidt, was er als „Payroll-König von Deutschland“ in der Entgeltabrechnung ändern würde:

„Es gäbe einfach ein Brutto, eine Steuertabelle dahinter, und dann ein Netto. Die Entgeltabrechnung auf dem Bierdeckel. Entlastung für alle! Die will ich haben."

Henri Schmidt ist einer von uns.


Den vollständigen Talk gibt's hier – Prädikat besonders wertvoll.

Hier geht´s zur Folge

 

Wir haben dieses Gespräch für unseren Podcast „So geht Payroll" geführt. Den vollständigen Mitschnitt gibt es jetzt in allen Podcast-Apps.

 


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