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So geht Wertschätzung! - Teil 4 | Eine Kolumne von Bernhard Poetschki

So geht Wertschätzung! - Teil 4 | Eine Kolumne von Bernhard Poetschki

Wertschätzung entsteht durch Verlässlichkeit

Die Abrechnung läuft.
 
Morgen ist Eingabeschluss. Und ich brauche eine wichtige Information von meiner Führungskraft – ohne die ich nicht weitermachen kann.
 
Der Termin für heute? Kurzfristig abgesagt. Verschoben auf übermorgen.
Übermorgen.

Morgen wird auf den Knopf gedrückt. Für alle, die Payroll nicht kennen. Das ist kein Detail. Das ist der Unterschied zwischen „läuft“ und „läuft nicht“.
Ganz ehrlich: Das nervt mich maßlos.

Und ja – ich weiß, dass Kalender voll sind. Das neue Themen dazwischenkommen. Das nicht jede Verschiebung böse gemeint ist.

Aber gut gemeint und folgenlos sind zwei verschiedene Dinge.

Denn wenn Termine ständig verschoben werden, nimmt man sie irgendwann nicht mehr ernst. Und damit verlieren nicht nur Kalendereinträge ihren Wert – sondern auch Führung und Kollegialität an Glaubwürdigkeit.

 Hinter vielen dieser kleinen Verschiebungen steckt oft nicht nur Zeitmangel – sondern fehlende Einordnung. Die Anerkennung, dass auch das zählt, was auf der anderen Seite wartet.


Bernhard Poetschki:
"Wertschätzung entsteht nicht durch Formulierungen. Sondern durch das, was wir tun.
Oder eben nicht."


 

Es geht um Verlässlichkeit

Verlässlichkeit zeigt sich selten in großen Grundsatzreden. Sondern im Alltag: in kleinen Zusagen und in Terminen, die stattfinden – oder eben nicht.

Über Verlässlichkeit ließen sich viele Bücher schreiben. Ich konzentriere mich heute bewusst auf ein alltägliches Beispiel: Terminzusagen. Ein kleines Detail – mit erstaunlich großer Wirkung.

Die Inflation der Ankündigungen

 Im Arbeitsalltag hören wir ständig Sätze wie diese:

„Ich komme gleich.“

„Ich nehme mir gleich Zeit für dich.“

„Lass uns morgen um zehn zusammensetzen.“

„Das machen wir gleich nach der Abrechnung.“

„Das erkläre ich dir nächste Woche.“

Sätze, die harmlos klingen. Freundlich. Zugewandt. Verbindlich. Man könnte fast drauf wetten – wenn man nicht schon zu oft verloren hätte.

Denn wie oft passiert danach … nichts? Der Kalender läuft weiter, neue Themen kommen dazwischen. Für den einen ist es eine Kleinigkeit. Für den anderen nicht.

Und ich will hier ehrlich sein: Ich spreche mich ausdrücklich nicht davon frei.

Auch ich habe schon „gleich“ gesagt – und meinte eigentlich „irgendwann“. Auch ich habe Gespräche verschoben oder Zusagen nicht so ernst genommen, wie ich es eigentlich hätte tun sollen.

Das passiert. Aber wenn es zur Gewohnheit wird, hat es Folgen.

Wenn Worte ihren Wert verlieren

 Was passiert bei uns, wenn Ankündigungen immer wieder nicht eingehalten werden?

Beim ersten Mal denke ich vielleicht: „Okay, viel los gerade.“ Beim zweiten Mal: „Na gut.“ Beim dritten Mal winke ich innerlich schon ab.

Und irgendwann kommt der Punkt, an dem ich gar nicht mehr frage. Nicht aus Trotz. Sondern weil ich gelernt habe, dass es ohnehin nichts bringt.

Worte und Handlungen passen nicht mehr zusammen. Und das zeigt sich bei Führungskräften aller Ebenen genauso wie bei Mitarbeitenden.

 Besonders deutlich wird das bei Menschen, die neu ins Team kommen. Sie beobachten sehr genau. Wenn sie in den ersten Wochen erleben, dass Ankündigungen nicht eingehalten werden, lernen sie schnell eine Lektion – nur leider nicht die, die man ihnen eigentlich vermitteln wollte. Statt Orientierung erleben sie Beliebigkeit. Und Beliebigkeit erzeugt Unsicherheit oder Zynismus. Beides ist kein guter Start.


Lese-Tipp:
So geht Wertschätzung! | Teil 1
Die Kolumne von Bernhard Poetschki

 

 


Der giftige Nährboden

Ein schleichender Prozess – und hochgefährlich für Teams.
 
Wenn Verlässlichkeit fehlt, verlieren Zusagen an Bedeutung – und es entsteht ein Klima, das langfristig Teams beschädigt.

Menschen ziehen sich zurück. Engagement wird vorsichtiger. Ideen werden seltener ausgesprochen.

Und irgendwann entstehen die berühmten Risse im Team.

Nicht laut. Nicht spektakulär. Sondern langsam.

Kein Drama. Keine Kündigung. Keine große Aussprache.
Nur ein Team, das irgendwann aufgehört hat, sich zu wundern. 


Diese Risse entstehen selten durch große Konflikte. Sondern durch viele kleine Enttäuschungen. Immer wieder.

Die Mauer der Resignation durchbrechen

 Die schwierigste Frage lautet deshalb: Was tun, wenn diese Muster schon da sind?

 Wenn Termine regelmäßig verschoben werden, Zusagen im Alltag versanden und man innerlich längst aufgehört hat, nachzufragen – dann ist eine Mauer aus Resignation entstanden. Sie zu durchbrechen, ist der erste Schritt.

Was Mitarbeitende tun können

Für Mitarbeitende beginnt das oft mit etwas sehr Einfachem: Zusagen konkret machen.

Statt ein vages „Wir sprechen nächste Woche“ stehen zu lassen, kann eine ruhige Nachfrage viel verändern:

„Ist das jetzt eine feste Zusage – oder eher eine grobe Planung?“

„Was müsste passieren, damit der Termin wirklich hält?“

„Wenn es unsicher ist, lass uns lieber direkt einen Zeitpunkt wählen, der wirklich passt.“

Das ist keine Konfrontation. Es ist der Versuch, aus einer Floskel eine Vereinbarung zu machen. Und Vereinbarungen haben eine andere Qualität als beiläufige Versprechen.


Podcast-Tipp:
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Annette Bastigkeit zu Gast bei uns.


Was Führungskräfte tun können

Genauso wichtig ist die andere Seite. Führungskräfte müssen zulassen, dass solche Nachfragen gestellt werden dürfen – ohne dass daraus sofort ein Vorwurf gelesen wird.

Und sie müssen mehr tun, als nur zu reagieren. Nicht immer sagen Mitarbeitende klar, wie wichtig ihnen ein Thema ist. Umso mehr braucht es Führungskräfte, die zuhören, Zusammenhänge erkennen und Situationen einschätzen können. Die nicht darauf warten, dass Prioritäten formuliert werden – sondern sie selbst klären.

Zum Beispiel mit einer einfachen Frage:

„Welche Priorität hat dieses Thema gerade wirklich?“

Denn genau darum geht es: den Druck zu verstehen, den ein Mitarbeitender gerade hat. Wer Payroll macht, weiß: Es gibt keine Verlängerung. Kein „Kommt noch.“ Kein „Wir regeln das im nächsten Jour fixe.“ Die Abrechnung wartet nicht – die Mitarbeitenden auf ihre Lohn- und Gehaltsüberweisung schon gar nicht.

Entweder ermöglicht man dann einen schnellen, verlässlichen Termin – oder man entscheidet bewusst, warum ein Thema noch warten kann. Aber dann nicht als Verschiebung. Sondern als nachvollziehbare Entscheidung.

Genau dort zeigt sich Führungskultur. Nicht darin, ob alles perfekt läuft – sondern darin, ob Menschen sich trauen, Dinge anzusprechen.

Wo Mitarbeitende ihre Führungskraft nur noch vorsichtig umkreisen, entsteht Distanz. Wo sie respektvoll widersprechen dürfen, entsteht Vertrauen.

Vielleicht beginnt Verlässlichkeit deshalb mit einer einfachen Haltung: Dass Worte zählen dürfen. Und dass man sich gegenseitig daran erinnern darf.

Verlässlichkeit ist sichtbare Wertschätzung

Am Ende ist Verlässlichkeit eine sehr konkrete Form von Wertschätzung. Sie zeigt sich nicht in dem, was gesagt wird – sondern in dem, was tatsächlich passiert:

Ein eingehaltenes Gespräch. Ein Termin, der stattfindet. Eine Rückmeldung, die kommt.

Wertschätzung entsteht nicht durch Formulierungen.
Sondern durch das, was wir tun.
Oder eben nicht.

 


Und jetzt du!

Welche Erfahrungen machst du? Wie ist das bei euch in der Organisation – zwischen Kolleginnen und Kollegen, zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden?

Ich bin gespannt auf deine Gedanken – gerne direkt in den Kommentaren bei LinkedIn.


Wer ist Bernhard Poetschki?

Bernhard ist selbständiger Interim Manager für effektive HR-Lösungen.

Sein Ziel und beruflicher Antrieb ist Menschen und Organisationen in Bewegung zu bringen. Nach 17 Jahren im  Anstellungsverhältnis – unter anderem als Teamleiter sowie Leiter Personal & Soziales – hat Bernhard 2002 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Seitdem unterstützt er Unternehmen als HR Interim Manager, Berater und Dienstleister.

Besonders erfüllend findet er's, wenn aus Ideen Ergebnisse werden - und Veränderung nicht nur geplant, sondern tatsächlich erlebt wird.


 


Die Podcast-Folge mit: Bernhard Poetschki 
EIN MANN SIEHT LOHN 


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