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So geht Wertschätzung! - Teil 2 | Eine Kolumne von Bernhard Poetschki

So geht Wertschätzung! - Teil 2 | Eine Kolumne von Bernhard Poetschki

Wertschätzung fängt bei dir an!

Wertschätzung wird oft als Lob, Dank oder Rückmeldung verstanden.

Dabei beginnt sie innen: Welchen Wert misst du deiner Arbeit bei – auch ohne Applaus?

Selbstwert ist Haltung.


Bernhard Poetschki:
"Selbstwert ist kein Panzer. Er ist ein Anker."

Wenn Lob nicht ankommt

Selbstwert wirkt bei Wertschätzung immer auf beiden Seiten – beim Sender und beim Empfänger.

Wir reden gern darüber, wie andere Anerkennung zeigen sollten, aber selten darüber, ob wir sie überhaupt annehmen können.

Selbst ehrliches Lob verpufft, wenn es auf ein Gegenüber trifft, das innerlich schon abgewunken hat.

Ein „Gut gemacht“ klingt dann schnell nach Pflicht oder Floskel – nicht, weil es so gemeint ist, sondern weil es keinen inneren Andockpunkt findet.

Ohne diesen inneren Maßstab wird Wertschätzung entweder abgewehrt oder überhöht. Beides macht auf Dauer unsicher.

Innen statt außen

Wir reden viel über Feedbackkultur: über Formate, Gespräche, Leitfäden.
Deutlich seltener reden wir über Haltung.

Wenn ich meinen Wert nur dann spüre, wenn jemand applaudiert, brauche ich ständig das nächste Zeichen, dass ich „gut genug“ bin.

Das ist anstrengend – für alle Beteiligten.

Im Payroll-Alltag zeigt sich das besonders deutlich:

Korrekturen aus dem Dezember, der ELStAM-Abruf für die PKV-Daten, Krankmeldungen im Team, stapelnde Anfragen – der Stresspegel steigt.

Ich arbeite konzentriert, routiniert – und sage einmal mehr den Kinobesuch am Abend ab.

Positive Rückmeldungen?

Selten.

Vielleicht ist das die stillste Form von Wertschätzung: trotzdem füreinander einspringen, Fehler abzufangen, schnell eine Rückfrage zu beantworten oder das Telefon zu übernehmen, wenn es beim anderen brennt.

Manchmal reicht ein kurzer Blick über den Monitor, ein Nicken, ein leises „Danke, dass du das noch übernimmst“.

Momente, die niemand postet – die aber tragen.

Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung: sich nicht nur über Reaktionen von außen zu definieren, sondern über die eigene Haltung – und bewusster wahrzunehmen, was Kolleginnen und Kollegen leisten.

Dieses Denken – ständiges Bewerten statt echtes Wahrnehmen – zieht sich längst durch unseren Alltag. Auch dort, wo wir eigentlich Beziehung suchen.

Bewertet – aber nicht gesehen

Kaum ist ein Servicegespräch beendet, folgt die Bitte um Bewertung. Manchmal sogar schon zu Beginn – idealerweise mit „Sehr gut“.

Was als Feedback gedacht ist, wird für die Mitarbeitenden oft etwas anderes: Dauerbeobachtung mit freundlichem Ton.

Die Frage ist nicht mehr: War der Kontakt hilfreich?

Sondern: Wie wirkt sich diese Bewertung auf mich aus?

Wird sie als ehrliche Rückmeldung gelesen – oder als Kennzahl, die erklärt, rechtfertigt oder belastet?

Was passiert mit den Zahlen?

Werden nur die schlechten besprochen – oder auch die vielen Fälle, in denen einfach gute Arbeit geleistet wurde?

Dieses Denken endet nicht beim Telefonanbieter – es prägt längst unserer gesamte Aufmerksamkeitswelt. Herzen auf Instagram, Likes bei LinkedIn – kurze Klicks im Vorbeiscrollen. Ein Klick ersetzt keine Aufmerksamkeit. Eine Zahl keine Beziehung.

Je mehr wir Wertschätzung über Bewertungen organisieren, desto größer wird der Druck – und desto kleiner das Gefühl, wirklich gesehen zu werden.


Lese-Tipp:
So geht Wertschätzung! | Teil 1
Die Kolumne von Bernhard Poetschki

 


Haltung wirkt – auch ohne Tool

Wertschätzung braucht keine neuen Tools, keine Workshops.

Sie wirkt dort, wo Menschen innerlich stabil sind – und sich nicht sofort angegriffen oder übersehen fühlen.

Wenn mich jemand im Stress anpflaumt, habe ich zwei Möglichkeiten:

mitgehen – oder bei mir bleiben.

Selbstwert ist kein Panzer.
Er ist ein Anker.

Selbstwert macht unabhängig

Wertschätzung von außen ist wichtig – aber sie darf kein dauerhaftes Sauerstoffgerät sein.

Gerade in Jobs, die selten sichtbar sind, braucht es innere Stabilität.

Selbstwert heißt:

Ich weiß, was ich leiste – auch wenn keiner klatscht. Und genau deshalb kann ich anderen echtes Lob schenken – ohne Kalkül, ohne Erwartung.

Haltung bedeutet auch: Ich mag, was ich tue.

Ich arbeite mit und für Menschen, mit komplexen Systemen, löse knifflige Fälle, erweitere täglich mein Wissen – und ich finde es gut, genau das zu tun.

Aus dieser Zustimmung wächst Stärke.

 


Podcast-Tipp:
PAYROLL TRIFFT POWERFRAU
Annette Bastigkeit zu Gast bei uns.


Dein eigener Like-Moment

Wenn nach dem nächsten Monatsabschluss wieder niemand etwas sagt, gönn dir den Gedanken:

„Ich weiß, was heute alles richtig gelaufen ist.“

Mach daraus deinen eigenen Like-Moment – nicht digital, sondern echt. Nur für dich.

 


Und noch ein Gedanke zum Schluss:

Bevor wir über Wertschätzung durch Führungskräfte sprechen – wie sehr wertschätzen wir eigentlich unsere Kolleginnen und Kollegen?

Und wie sehr lassen wir zu, dass sie uns wertschätzen?

Gerne kommentieren bei LinkedIn unter:

Markus Matt
Kai Fröhling


Wer ist Bernhard Poetschki?

Bernhard ist selbständiger Interim Manager für effektive HR-Lösungen.

Sein Ziel und beruflicher Antrieb ist Menschen und Organisationen in Bewegung zu bringen. Nach 17 Jahren im  Anstellungsverhältnis – unter anderem als Teamleiter sowie Leiter Personal & Soziales – hat Bernhard 2002 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Seitdem unterstützt er Unternehmen als HR Interim Manager, Berater und Dienstleister.

Besonders erfüllend findet er's, wenn aus Ideen Ergebnisse werden - und Veränderung nicht nur geplant, sondern tatsächlich erlebt wird.



Die Podcast-Folge mit: Bernhard Poetschki 
EIN MANN SIEHT LOHN 


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