So geht Payroll
- Der Blog -
Wertschätzung wird oft als Lob, Dank oder Rückmeldung verstanden.
Dabei beginnt sie innen: Welchen Wert misst du deiner Arbeit bei – auch ohne Applaus?
Selbstwert ist Haltung.
Bernhard Poetschki:
"Selbstwert ist kein Panzer. Er ist ein Anker."
Selbstwert wirkt bei Wertschätzung immer auf beiden Seiten – beim Sender und beim Empfänger.
Wir reden gern darüber, wie andere Anerkennung zeigen sollten, aber selten darüber, ob wir sie überhaupt annehmen können.
Selbst ehrliches Lob verpufft, wenn es auf ein Gegenüber trifft, das innerlich schon abgewunken hat.
Ein „Gut gemacht“ klingt dann schnell nach Pflicht oder Floskel – nicht, weil es so gemeint ist, sondern weil es keinen inneren Andockpunkt findet.
Ohne diesen inneren Maßstab wird Wertschätzung entweder abgewehrt oder überhöht. Beides macht auf Dauer unsicher.
Wir reden viel über Feedbackkultur: über Formate, Gespräche, Leitfäden.
Deutlich seltener reden wir über Haltung.
Wenn ich meinen Wert nur dann spüre, wenn jemand applaudiert, brauche ich ständig das nächste Zeichen, dass ich „gut genug“ bin.
Das ist anstrengend – für alle Beteiligten.
Im Payroll-Alltag zeigt sich das besonders deutlich:
Korrekturen aus dem Dezember, der ELStAM-Abruf für die PKV-Daten, Krankmeldungen im Team, stapelnde Anfragen – der Stresspegel steigt.
Ich arbeite konzentriert, routiniert – und sage einmal mehr den Kinobesuch am Abend ab.
Positive Rückmeldungen?
Selten.
Vielleicht ist das die stillste Form von Wertschätzung: trotzdem füreinander einspringen, Fehler abzufangen, schnell eine Rückfrage zu beantworten oder das Telefon zu übernehmen, wenn es beim anderen brennt.
Manchmal reicht ein kurzer Blick über den Monitor, ein Nicken, ein leises „Danke, dass du das noch übernimmst“.
Momente, die niemand postet – die aber tragen.
Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung: sich nicht nur über Reaktionen von außen zu definieren, sondern über die eigene Haltung – und bewusster wahrzunehmen, was Kolleginnen und Kollegen leisten.
Dieses Denken – ständiges Bewerten statt echtes Wahrnehmen – zieht sich längst durch unseren Alltag. Auch dort, wo wir eigentlich Beziehung suchen.
Kaum ist ein Servicegespräch beendet, folgt die Bitte um Bewertung. Manchmal sogar schon zu Beginn – idealerweise mit „Sehr gut“.
Was als Feedback gedacht ist, wird für die Mitarbeitenden oft etwas anderes: Dauerbeobachtung mit freundlichem Ton.
Die Frage ist nicht mehr: War der Kontakt hilfreich?
Sondern: Wie wirkt sich diese Bewertung auf mich aus?
Wird sie als ehrliche Rückmeldung gelesen – oder als Kennzahl, die erklärt, rechtfertigt oder belastet?
Was passiert mit den Zahlen?
Werden nur die schlechten besprochen – oder auch die vielen Fälle, in denen einfach gute Arbeit geleistet wurde?
Dieses Denken endet nicht beim Telefonanbieter – es prägt längst unserer gesamte Aufmerksamkeitswelt. Herzen auf Instagram, Likes bei LinkedIn – kurze Klicks im Vorbeiscrollen. Ein Klick ersetzt keine Aufmerksamkeit. Eine Zahl keine Beziehung.
Je mehr wir Wertschätzung über Bewertungen organisieren, desto größer wird der Druck – und desto kleiner das Gefühl, wirklich gesehen zu werden.
Wertschätzung braucht keine neuen Tools, keine Workshops.
Sie wirkt dort, wo Menschen innerlich stabil sind – und sich nicht sofort angegriffen oder übersehen fühlen.
Wenn mich jemand im Stress anpflaumt, habe ich zwei Möglichkeiten:
mitgehen – oder bei mir bleiben.
Wertschätzung von außen ist wichtig – aber sie darf kein dauerhaftes Sauerstoffgerät sein.
Gerade in Jobs, die selten sichtbar sind, braucht es innere Stabilität.
Selbstwert heißt:
Ich weiß, was ich leiste – auch wenn keiner klatscht. Und genau deshalb kann ich anderen echtes Lob schenken – ohne Kalkül, ohne Erwartung.
Haltung bedeutet auch: Ich mag, was ich tue.
Ich arbeite mit und für Menschen, mit komplexen Systemen, löse knifflige Fälle, erweitere täglich mein Wissen – und ich finde es gut, genau das zu tun.
Aus dieser Zustimmung wächst Stärke.
Wenn nach dem nächsten Monatsabschluss wieder niemand etwas sagt, gönn dir den Gedanken:
„Ich weiß, was heute alles richtig gelaufen ist.“
Mach daraus deinen eigenen Like-Moment – nicht digital, sondern echt. Nur für dich.
Bevor wir über Wertschätzung durch Führungskräfte sprechen – wie sehr wertschätzen wir eigentlich unsere Kolleginnen und Kollegen?
Und wie sehr lassen wir zu, dass sie uns wertschätzen?
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Markus Matt
Kai Fröhling
Bernhard ist selbständiger Interim Manager für effektive HR-Lösungen.
Sein Ziel und beruflicher Antrieb ist Menschen und Organisationen in Bewegung zu bringen. Nach 17 Jahren im Anstellungsverhältnis – unter anderem als Teamleiter sowie Leiter Personal & Soziales – hat Bernhard 2002 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.
Seitdem unterstützt er Unternehmen als HR Interim Manager, Berater und Dienstleister.
Besonders erfüllend findet er's, wenn aus Ideen Ergebnisse werden - und Veränderung nicht nur geplant, sondern tatsächlich erlebt wird.
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Sina Schmidt
Sina ist Steuerberaterin und berät Mandanten zu komplexen steuerlichen Fragestellungen.
Doch das ist noch nicht alles, denn sie leitet auch ein Lohnservice-Team und ist der Payroll stark verbunden. Diese seltene Kombination macht sie zu einer wertvollen Ansprechpartnerin.
Durch ihre Expertise verbindet sie Steuerberatung und Payroll-Wissen zu einer ganzheitlichen Beratungsleistung. Sina arbeitet bei LPJ - Tax Law Transformation.
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Dominik ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht bei POELLATH + Partners.
Er berät deutsche und internationale Unternehmen in allen Bereichen des Individual- und Kollektivarbeitsrechts.
Ferner ist er Autor zahlreicher fachlicher Aufsätze und tritt als Referent bei Fachkonferenzen auf. Zudem engagiert er sich als Experte für innovative Mandantenberatung in den Bereichen Arbeitsrecht und Beschäftigtendatenschutz.
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Martin Stolzenburg | Mister bAV®
Martin hat sich Ende der 1990er Jahre auf die betriebliche Altersvorsorge spezialisiert und ist heute als „Mr. bAV®“ bekannt.
Er berät seit fast 30 Jahren Unternehmen und ihre Beschäftigten zur bAV und kann als unabhängiger Makler in die jeweilige bAV-Historie einsteigen sowie anschließend alte und neue Verträge gleichermaßen betreuen.
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Markus Matt
Markus ist HR-Fachjournalist und Dipl. Betriebswirt. Er ist seit 25 Jahren in der deutschen Personalszene unterwegs und hat die Branche aus verschiedenen Blickwinkeln kennengelernt, nahezu durchgängig mit einem klaren Fokus auf die Welt der Entgeltabrechnung.
Mehr als Jahrzehnt war er Chefredakteur eines HR-Fachmagazins- Außerdem hat er sich einen Namen als Autor, Moderator und Podcaster gemacht. Markus ist Inhaber einer Unternehmensberatung.
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Kai Fröhling
Kai ist ein erfahrener Payroll-Experte und Fachdozent mit Schwerpunkt. Als PAYROLL KOLLEGE® betreibt er einen YouTube-Kanal und zudem gemeinsam mit Markus den Podcast „So geht Payroll“, auf dem er komplexe Themen der Gehaltsabrechnung verständlich erklärt.
Der gelernte Konditor und Bürokaufmann entdeckte vor rund 10 Jahren seine Leidenschaft für die Entgeltabrechnung, die ihn nie wieder losließ. Seine Mission ist: „Dinge einfach machen!“

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