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Phantomlohn! Unsichtbarer Lohn, echter Schaden!

Phantomlohn! Unsichtbarer Lohn, echter Schaden!

Foto: Erstellt mit Midjourney.
 

„Phantomlohn“, was ist da denn los? Eine ganze Menge ist los! Es geht um Entgelt, das niemals bezahlt wurde, aber trotzdem beitragspflichtig in der Sozialversicherung ist.

Höchste Zeit also, über dieses Thema zu schreiben und die häufigsten Fehlerquellen zu benennen.


Was ist Phantomlohn eigentlich?

Wir sprechen von Phantomlohn (oder auch Fiktivlohn), wenn das geschuldete Arbeitsentgelt nicht oder nicht vollständig gezahlt wird. Trotzdem werden Sozialversicherungsbeiträge fällig, denn in der „SV“ gilt das Entstehungsprinzip:

Sobald ein Anspruch entsteht, entstehen auch Beiträge , selbst wenn die betroffenen Mitarbeiter ihre Kohle nie bekommen.

Wie entsteht Phantomlohn?

Mindestlohn nicht korrekt umgesetzt

Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit dem 01.01.2026 bei 13,90 Euro pro Stunde. Wenn der tatsächlich gezahlte Stundenlohn darunterliegt, entsteht Phantomlohn.

Entgeltfortzahlung ohne Zuschläge

Bei Krankheit oder Urlaub müssen alle regelmäßigen Lohnbestandteile fortgezahlt werden; auch Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit (SFN-Zuschläge), Provisionen oder Prämien. Werden die vergessen, entsteht ein fiktiver Entgeltanspruch und wir sind schon wieder mitten im Phantomlohn.

Abrufarbeit ohne schriftliche Vereinbarung

Wenn keine wöchentliche Mindestarbeitszeit vertraglich festgelegt ist, gelten automatisch 20 Stunden pro Woche als vereinbart (§ 12 TzBfG). Bei Minijobs sprengt das schnell die Geringfügigkeitsgrenze.

Tarifliche und betriebliche Ansprüche

Auch tarifliche Mindestlöhne oder Betriebsvereinbarungen zählen. Ein Verzicht durch den Mitarbeiter ist hier irrelevant, der Anspruch bleibt bestehen.

Nicht gewährter Urlaub


Wird Urlaub nicht genommen und auch nicht abgegolten, entsteht ebenfalls Phantomlohn. Das gilt natürlich auch bei geringfügig Beschäftigten.


Lese-Tipp:
Mindestlohn 2026: Mehr Geld für viele, mehr Arbeit für Dich

Foto: Erstellt mit Midjourney. 


Warum wird Phantomlohn so teuer?

Fiktiver Lohn kann für Arbeitgeber schnell zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden, weil mehrere Faktoren ineinandergreifen.

Zunächst ist die Rentenversicherung berechtigt, Beiträge bis zu vier Jahre rückwirkend nachzufordern - bei Vorsatz können sogar bis zu 30 Jahre daraus werden. Außerdem muss der Arbeitgeber in solchen Fällen nicht nur seinen eigenen Anteil, sondern auch den Arbeitnehmeranteil vollständig tragen. Ein Rückgriff auf den Mitarbeiter ist dabei nur sehr eingeschränkt möglich und auf maximal drei Monate begrenzt.

In der Summe führt dies häufig zu Nachforderungen im fünfstelligen Bereich, die zusätzlich durch Säumniszuschläge und mögliche Strafzahlungen weiter ansteigen.


So kannst Du Phantomlohn vermeiden

  • Mindestlohn regelmäßig prüfen (aktuell 13,90 Euro)
  • Bei Minijobs die Stundenzahl anpassen, um die Grenze von 603 Euro (2026) nicht zu überschreiten
  • Arbeitsverträge sauber gestalten, insbesondere bei Abrufarbeit
  • Zuschläge bei Krankheit und Urlaub korrekt fortzahlen
  • Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen beachten
  • Urlaub dokumentieren und gewähren oder auszahlen
  • Lohnunterlagen mindestens 4 Jahre aufbewahren

Podcast-Tipp:
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Praxisüberblick:

 


Nochmal in Kürze

Phantomlohn ist ein echtes Risiko für Unternehmen, besonders bei Minijobs, Abrufarbeit und Entgeltfortzahlung. Die Rentenversicherung prüft diese Punkte gezielt, und die finanziellen Folgen sind erheblich. Es lohnt sich, hier auf der Hut zu sein und die Verträge, Löhne und Prozesse konstant zu prüfen.


Es geht um Entgelt das niemals bezahlt wurde, aber trotzdem beitragspflichtig in der SV ist!


Kluge Fragen, megakluge Antworten

Was ist Phantomlohn?

Phantomlohn ist Arbeitsentgelt, das rechtlich geschuldet, aber nicht gezahlt wurde und der Beitragspflicht zur Sozialversicherung unterliegt.

Wie entsteht Phantomlohn?

Durch Unterschreitungen des Mindestlohns, unvollständige Entgeltfortzahlung bei Krankheit, ungeregelte Abrufarbeit oder nicht gewährten Urlaub.

Was sind die Folgen von Phantomlohn?

Rückwirkende Beitragsforderungen im Extremfall bis zu 30 Jahre, hohe Säumniszuschläge und nur wenig Rückgriffsmöglichkeit auf Mitarbeiter.

Wie kann man Phantomlohn vermeiden?

Mit klaren Arbeitsverträgen, vollständiger Entgeltfortzahlung, regelmäßiger Prüfung des Mindestlohns und sauberer Urlaubsdokumentation.

 


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