So geht Payroll
- Der Blog -
In Teil 2 ging es um Selbstwert: darum, welchen Wert du deiner Arbeit beimisst – auch ohne Applaus. Wenn dieser innere Maßstab fehlt, prallen selbst gut gemeinte Lobesworte oft wirkungslos ab.
Bernhard Poetschki:
"Das Problem ist nicht, dass sie nicht alles wissen. Problematisch wird es, wenn Entscheidungen getroffen werden, ohne diejenigen einzubeziehen, die sie später umsetzen müssen."
Jetzt wechseln wir die Perspektive: Wie zeigt sich Wertschätzung, wenn du Verantwortung für andere trägst – als Führungskraft, Projektleitung oder erfahrenes Teammitglied?
Viele Menschen im Team spüren sehr genau, ob jemand wirklich interessiert ist – oder nur pflichtbewusst „führt“. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob Wertschätzung erlebbar wird oder als Floskel verpufft.
„Ja, ich komme gleich.“
„Lass uns das morgen in Ruhe besprechen.“
„Schick mir das mal kurz.“
Und dann passiert oft – nichts.
Der nächste Termin drängt, das Thema rutscht nach unten. Für die Führungskraft ist es eine Kleinigkeit, für die andere Seite nicht. Denn wer zuhört, übernimmt Verantwortung – auch dafür, was danach passiert.
Genau hier beginnt Wertschätzung in der Führung. Nicht im Jahresgespräch, sondern im Alltag, im Kleinen, im ganz normalen Arbeitstag.
Ein erfahrener Trainer sagte einmal zu mir: „Es kommt nicht darauf an, was gesagt wird – sondern darauf, was beim Gegenüber ankommt.“
Eine Führungskraft sagt vielleicht: „Komm jederzeit auf mich zu.“ Viele hören: „Nur, wenn es wirklich sein muss.“
Oder: „Lass uns das morgen besprechen.“
Ankommen kann: „Jetzt störe bitte nicht.“
Kommunikation besteht nicht aus Absichten, sondern aus Wirkung.
Und Wirkung entsteht nicht im Leitbild, sondern im täglichen Tun – in Tonfall, Reaktion und der Frage: Nimmt mich jemand ernst?
Viele Führungskräfte überblicken die Arbeit ihres Teams nur begrenzt – gerade in der Payroll. Gesetze ändern sich, Systeme sind komplex, Details entscheiden über korrekt oder falsch.
Das Problem ist nicht, dass sie nicht alles wissen. Problematisch wird es, wenn Entscheidungen getroffen werden, ohne diejenigen einzubeziehen, die sie später umsetzen müssen.
Gleichzeitig sind Führungskräfte selbst im Dauertermin. Entscheidungen müssen schnell sein – und sind dann selten gut, wenn man die Realität der Arbeit nicht kennt. Was im Projektplan sauber aussieht, sorgt im Alltag plötzlich für Zusatzschleifen, Rückfragen und Überstunden.
Ein Klassiker lautet: Betroffene zu Beteiligten machen. In der Praxis passiert oft das Gegenteil.
Prozesse werden beschlossen, Prioritäten verändert, Tools eingeführt – und erst danach fragt jemand das Payroll-Team: „Kommt ihr damit klar?“
Die ehrliche Antwort: „Wir müssen.“ Die Abrechnung kann nicht pausieren, egal, wie sinnvoll Prozesse sind.
Zuhören kostet Zeit. Und genau diese Zeit ist im Kalender vieler Führungskräfte nicht vorgesehen.
Wer Payroll nicht kennt, unterschätzt, unter welchem Druck diese Arbeit entsteht: Fristen, Änderungen, Korrekturen, Rückfragen – und am Ende muss alles stimmen. Fehler sind sofort sichtbar, korrekte Arbeit unsichtbar.
Gleichzeitig steigt die Komplexität: mehr Sonderfälle, mehr Klärungen, mehr Abhängigkeiten zu Systemen. Viele Themen lassen sich nicht mehr allein mit Fachwissen lösen, sondern brauchen System-Know-how oder Unterstützung aus der IT.
Das kostet Zeit – Zeit, die in der Planung oft nicht vorkommt. In vielen Teams fließt ein großer Teil der Arbeitszeit in Klärungen. Ich kenne Teams, die 10-15% ihrer Gesamtarbeitszeit dafür benötigen. Die eigentliche Abrechnung läuft nebenbei im Feuerwehrmodus. Wer hier immer nur nach „mehr Effizienz“ ruft, übersieht, dass der Engpass häufig nicht im Fleiß des Teams, sondern in den Rahmenbedingungen liegt.
Vielleicht liegt das Problem gar nicht an der Effizienz der Payroll, sondern an der Illusion, dass komplexe Systeme automatisch weniger Arbeit bedeuten.
Wertschätzung heißt nicht, dass Führungskräfte alles selbst entscheiden müssen.
Gute Führung erkennt, wo das Wissen im Team sitzt – und nutzt es.
Im Alltag beginnt die Arbeit der Payroll oft dort, wo andere sich schon fertig fühlen: Neue Vereinbarungen, kurzfristige Änderungen, Bonuszahlungen auf den letzten Drücker.
Was auf dem Papier nach „kleiner Anpassung“ aussieht, kann in der Praxis neue Lohnarten, Logiken und Prüfungen bedeuten – Dinge, die man nicht von heute auf morgen baut.
Wertschätzung zeigt sich auch darin, Entscheidungswege anzupassen:
frühzeitig Rücksprache halten, Auswirkungen ehrlich besprechen, gemeinsam Lösungen suchen. Nicht nur „durchwinken“ und hoffen, dass es schon irgendwie passt.
Wenn Führung Wertschätzung zeigen will, beginnt sie genau hier: beim Zuhören, bevor entschieden wird – und beim Einbeziehen der Menschen, die am Ende dafür sorgen, dass alles korrekt funktioniert.
Wertschätzung hat weniger mit Methoden zu tun als mit Haltung. Mit der Bereitschaft zuzuhören, nachzufragen und das Wissen im Team ernst zu nehmen – gerade dort, wo vieles still und zuverlässig läuft.
Haltung heißt auch: nicht jedes kritische Feedback als Angriff zu lesen, sondern als Chance, das System besser zu verstehen. Wer nur nach oben berichtet und nach unten anordnet, übersieht das Potenzial der eigenen Leute.
Vielleicht ist das die unbequemste Wahrheit über Führung:
Die Menschen im Team wissen oft mehr über die Realität der Arbeit als die Führungskraft selbst.
Die Frage ist nur, ob man bereit ist, ihnen zuzuhören.
Wenn du Führungskraft bist, probiere beim nächsten Gespräch eine einfache Frage:
„Was sollte ich besser verstehen, damit ich euch besser unterstützen kann?“
Und höre dir die Antwort wirklich an – nicht im Vorbeigehen, sondern mit der Bereitschaft, etwas zu lernen.
Denn Wertschätzung beginnt nicht mit Programmen.
Sondern mit einer einfachen Haltung:
Zuhören.
Bernhard ist selbständiger Interim Manager für effektive HR-Lösungen.
Sein Ziel und beruflicher Antrieb ist Menschen und Organisationen in Bewegung zu bringen. Nach 17 Jahren im Anstellungsverhältnis – unter anderem als Teamleiter sowie Leiter Personal & Soziales – hat Bernhard 2002 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.
Seitdem unterstützt er Unternehmen als HR Interim Manager, Berater und Dienstleister.
Besonders erfüllend findet er's, wenn aus Ideen Ergebnisse werden - und Veränderung nicht nur geplant, sondern tatsächlich erlebt wird.
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ÜBER DIE AUTORIN

Sina Schmidt
Sina ist Steuerberaterin und berät Mandanten zu komplexen steuerlichen Fragestellungen.
Doch das ist noch nicht alles, denn sie leitet auch ein Lohnservice-Team und ist der Payroll stark verbunden. Diese seltene Kombination macht sie zu einer wertvollen Ansprechpartnerin.
Durch ihre Expertise verbindet sie Steuerberatung und Payroll-Wissen zu einer ganzheitlichen Beratungsleistung. Sina arbeitet bei LPJ - Tax Law Transformation.
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Dominik ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht bei POELLATH + Partners.
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Ferner ist er Autor zahlreicher fachlicher Aufsätze und tritt als Referent bei Fachkonferenzen auf. Zudem engagiert er sich als Experte für innovative Mandantenberatung in den Bereichen Arbeitsrecht und Beschäftigtendatenschutz.
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Martin hat sich Ende der 1990er Jahre auf die betriebliche Altersvorsorge spezialisiert und ist heute als „Mr. bAV®“ bekannt.
Er berät seit fast 30 Jahren Unternehmen und ihre Beschäftigten zur bAV und kann als unabhängiger Makler in die jeweilige bAV-Historie einsteigen sowie anschließend alte und neue Verträge gleichermaßen betreuen.
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Markus Matt
Markus ist HR-Fachjournalist und Dipl. Betriebswirt. Er ist seit 25 Jahren in der deutschen Personalszene unterwegs und hat die Branche aus verschiedenen Blickwinkeln kennengelernt, nahezu durchgängig mit einem klaren Fokus auf die Welt der Entgeltabrechnung.
Mehr als Jahrzehnt war er Chefredakteur eines HR-Fachmagazins- Außerdem hat er sich einen Namen als Autor, Moderator und Podcaster gemacht. Markus ist Inhaber einer Unternehmensberatung.
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Kai Fröhling
Kai ist ein erfahrener Payroll-Experte und Fachdozent mit Schwerpunkt. Als PAYROLL KOLLEGE® betreibt er einen YouTube-Kanal und zudem gemeinsam mit Markus den Podcast „So geht Payroll“, auf dem er komplexe Themen der Gehaltsabrechnung verständlich erklärt.
Der gelernte Konditor und Bürokaufmann entdeckte vor rund 10 Jahren seine Leidenschaft für die Entgeltabrechnung, die ihn nie wieder losließ. Seine Mission ist: „Dinge einfach machen!“

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