So geht Payroll
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Payrollerinnen und Payroller sind systemrelevant!

Payrollerinnen und Payroller sind systemrelevant!

Mehr Wertschätzung wagen!

Die Entgeltabrechnung läuft doch heutzutage automatisch. Ein bisschen Brutto, ein paar Abzüge - und fertig ist das Mondgesicht.

Solche Sätze höre ich seit vielen Jahren und inzwischen immer häufiger. Der Grund dafür ist klar, denn überall ist von KI die Rede, von Automatisierung und von selbstlernenden Systemen.

Ist die Payroll also nur noch ein technischer Ablauf, den eine Software im Hintergrund erledigt? Nö!

Wir Payroll-Enthusiasten wissen natürlich, dass es anders ist. Aber wissen es auch Geschäftsführungen, Führungskräfte und die Kolleginnen und Kollegen im Betrieb? Ja, die Payroll ist in Deutschland höchst komplex und vielschichtig unterwegs und wer in diesem Feld arbeitet, träge eine Menge Verantwortung. Und ja, es hat sich in den letzten Jahren vieles verändert, gerade mit Blick auf das Thema Technologie. Doch arbeitslos sind wir alle dennoch nicht geworden, eher im Gegenteil.


Markus Matt:
"Lasst uns einmal ehrlich durchspielen, was passieren würde, wenn die Entgeltabrechnung im schlimmsten Fall komplett ausfallen würde."

Die liebe Technik

Natürlich ist die Technik leistungsfähiger geworden. Moderne Abrechnungssysteme können Daten verarbeiten, Plausibilitäten prüfen und Prozesse automatisieren. KI-gestützte Anwendungen helfen bei Auswertungen und Prognosen. Digitale Meldeverfahren beschleunigen die Kommunikation mit Behörden. Das ist alles großartig und es erleichtert manches im dichten Arbeitsalltag. Doch all dies funktioniert trotzdem nur dann zuverlässig, wenn jemand die fachlichen Hintergründe versteht – und diese auch erklären kann.

Spätestens seit der verpflichtenden elektronisch unterstützten Betriebsprüfung, den neuen digitalen Nachweis- und Dokumentationspflichten sowie den regulatorischen Anforderungen rund um den EU AI Act sind die Payrollerinnen und Payroller dieses Landes noch weitaus weniger „Knopfdrücker“ als zuvor. Sie sind im Gegenteil sogar viel mehr, nämlich Technologie-Spezialisten, Datenmanager und rechtliche Übersetzer in einer Person – ihr kennt das allesamt.

Beispiele gefällig?

Digitale Entgeltunterlagen revisionssicher führen, Prüfsysteme verstehen und ihre Ergebnisse fachlich wie rechtlich einordnen können. Außerdem Systeme konfigurieren, maschinell erzeugte Ergebnisse kritisch prüfen und sicherstellen, dass automatisierte und zunehmend auch KI-gestützte Prozesse rechtskonform ablaufen.

Fehler verantworten, wenn sie passieren – die Software hat darauf nämlich keinen Bock.
Der Mensch verantwortet den Prozess und muss jede Entscheidung erklären.

Eine ganze Menge Holz also für ein einziges Berufsbild, und diese Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig.

 

Deep Diving

Die Entgeltabrechnung darf nicht auf die reine Brutto-Netto-Rechnung reduziert und ihr Fundament nicht übersehen werden. Bevor überhaupt eine Abrechnung erstellt wird, müssen zahlreiche rechtliche, steuerliche und sv-bezogene Voraussetzungen geprüft und richtig eingeordnet werden. Wir alle wissen, wie umfassend unser Fachgebiet inzwischen ist, zum Beispiel hinsichtlich der Eintritts- und Austrittsprozesse, der Meldeverfahren und Sonderfälle, der betrieblichen Altersversorgung, dem Themenkomplex Mutterschutz & Elternzeit, den Minijobs, der besonderen Beschäftigtengruppen und vielem mehr.

Hinzu kommen die jährliche Anpassungen vieler Werte und Grenzen, stetig neue steuerliche Regelungen und europäische Vorgaben wie die schon jetzt viel diskutierte Entgelttransparenzrichtlinie. Jede dieser Änderungen wirkt sich unmittelbar auf Prozesse, Systeme und die Beratung im Unternehmen aus.

Die Entgeltabrechnung ist somit ein Knotenpunkt zwischen Arbeitsrecht, Steuerrecht, Sozialversicherung, IT und betrieblicher Praxis. Ihr alle geht den Dingen stetig auf den Grund, ihr seid wahre „Deep Diver“.

Der stille Schwund

Gleichzeitig verschärft sich die personelle Situation, der demografische Wandel lässt freundlich grüßen. Folglich sind in immer mehr Unternehmen immer weniger Spezialisten für die Payroll verantwortlich, manchmal ist es nur eine einzige Person. Fällt diese Fachkraft aus, wird die Luft in Windeseile sehr dünn. Die Nachwuchssuche ist schwierig, auch weil es bis heute keinen klar geregelten Ausbildungsberuf für unsere Tätigkeit gibt. Also kommen die jungen Leute wie schon früher meist über Umwege in die Payroll, etwa durch eine Weiterbildung oder Spezialisierung aus anderen Bereichen. Im Ergebnis steigen die Anforderungen in der Payroll, während die personellen Ressourcen sinken.


Podcast-Tipp:
DEUTSCHLAND AM ENDE- die Payroll streikt!


Was passiert eigentlich, wenn die Payroll nicht funktioniert?

Lasst uns einmal ehrlich durchspielen, was passieren würde, wenn die Entgeltabrechnung grobe Fehler machen oder im schlimmsten Fall komplett ausfallen würde:

Ohne eine funktionierende Payroll gibt es keine korrekten Gehaltszahlungen. Die Beschäftigten würden ihr Geld nicht oder falsch bekommen. Miete, Kredite, Unterhalt, Lebenshaltungskosten – alles dies geriete in Gefahr. Für viele Familien wäre das ein echtes Problem.

Für Unternehmen wäre die Lage ebenfalls dramatisch. Keine rechtssicheren Meldungen an die Sozialversicherungsträger, keine korrekten Lohnsteueranmeldungen, keine saubere Liquiditätsplanung. Fehler in der Entgeltabrechnung können sich auf das gesamte Unternehmen auswirken: finanzielle Risiken, Nachzahlungen, Säumniszuschläge, Strafzahlungen, Imageschäden. Und spätestens bei der nächsten Betriebsprüfung wird aus einem kleinen Fehler schnell ein teurer Albtraum.

Und dann ist da noch der Staat. Dort kommen Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge nicht mehr pünktlich, nicht vollständig oder gar nicht mehr in den richtigen Töpfen an – das gesamte staatliche System aus Steuern und Sozialversicherung geriete ins Wanken.

Machen wir es kurz: Wenn die Payroll nicht funktioniert, bekommen Beschäftigte kein Geld, Unternehmen verlieren Stabilität, und der Staat gerät unter großen Druck. Das ist die Vorstufe zur Revolution 😊

 


Unsichtbar, bis etwas schiefgeht

Trotzdem läuft die Entgeltabrechnung meist unter dem Radar. Solange alles reibungslos funktioniert, gilt sie als selbstverständlich. Wahrgenommen wird die Payroll häufig erst im Ernstfall, wenn Beträge nicht stimmen oder die Betriebsprüfung zum Desaster wird. Doch das passiert ausgesprochen selten, weil die Payrollerinnen und Payroller unter oftmals schwierigen Bedingungen stetig Höchstleistungen absolvieren, Tag für Tag. Angesichts der immensen Herausforderungen in unserer Branche ist das die eigentliche Sensation.

Viele Millionen Beschäftigte erhalten jeden Monat pünktlich ihr Geld. Unternehmen können verlässlich planen. Steuern und SV-Beiträge werden sauber abgeführt.

Die Entgeltabrechnung ist somit ein stabilisierender Faktor – für Unternehmen, für Beschäftigte, für Sozialversicherungsträger, für Banken, für Lieferketten und letztlich für unsere gesamte Wirtschaft.


Mehr Wertschätzung wagen

Die Wahrnehmung unseres Berufs verdient ein Update, mehr Wertschätzung ist angesagt.
Die Payroll erfüllt bei weitem nicht nur administrative Aufgaben, sie leistet  viel mehr. Die Menschen in der Payroll tragen hohe Verantwortung, Fehler sind eigentlich verboten. Sie rechnen, überwachen, lernen, informieren, beraten, liefern, regulieren, überarbeiten und korrigieren ohne Unterlass. Sie tun dies zum Wohle der Unternehmen, in denen sie arbeiten; zum Wohle der Beschäftigten und zum Wohle des gesamten Staatswesens.

Wir sind die Payroll! Wir sind systemrelevant!
Wir haben allen Grund, stolz auf uns zu sein!

Euer Markus



Markus Matt

Markus ist HR-Fachjournalist und Dipl. Betriebswirt. Er ist seit 25 Jahren in der deutschen Personalszene unterwegs und hat die Branche aus verschiedenen Blickwinkeln kennengelernt, nahezu durchgängig mit einem klaren Fokus auf die Welt der Entgeltabrechnung.

Mehr als Jahrzehnt war er Chefredakteur eines HR-Fachmagazins- Außerdem hat er sich einen Namen als Autor, Moderator und Podcaster gemacht. Markus ist Inhaber einer Unternehmensberatung.

 


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